|
Alois Carigiet, der eigenwillige Künstler
Mit Vergnügen erinnern sich Besucher des Zürcher Künstlermaskenballes an die Auftritte der Gebrüder Carigiet, an Zarli und Alois, die mit ihren oft so typischen clownesken Verkleidungen die Jury und das Publikum zu ungeteiltem Beifall hinrissen. Das vielfältige und eigenwillige Schaffen des 1985 verstorbenen Kunstmalers Alois Carigiet ist weit über die Schweizer Grenzen bekannt und anerkannt worden. Sein Werk legitimiert ihn als einen Gestalter, der die Freuden des Lebens und die edlen Dinge preist, als Meister eines souverän beherrschten Lebens und leidenschaftlich ausgeübten Handwerks. Das Naturgeschehen, auf das er niemals verzichten konnte, inspirierte ihn zu seinen zeichnerischen und malerischen Ideen; in der Klause von Platenga (Obersaxen) und in seinem Trunser Atelier «Flutginas» gab er ihnen Form, Linien, Kraft und Farbe. Hier entwickelte sich der eigentliche Gestaltungsprozess, hier befreite er sich von den verlockenden Einzelheiten, denen er auf Schritt und Tritt im Freien begegnete.
Die künstlerische Laufbahn Alois Carigiets gliedert sich in zwei Abschnitte. Es handelt sich um das grafisch-gestalterische Schaffen von 1923 bis 1939 und die Zeit danach, als er sich im bündnerischen Obersaxen (Platenga) zum Maler wandelte. Auf dieser alpinen Terrasse legte er den Grundstein zu seinem künstlerischen Schaffen, das sich in einer kaum übersehbaren Reihe von Bleistiftzeichnungen, aquarellierten Zeichnungen, Lithografien und Ölgemälden bis zwei Jahre vor seinem Tod fortsetzte.
Der am 30. August 1902 geborene Alois Carigiet verbrachte seine ersten Jugendjahre in seinem Geburtsort Trun. 1911 siedelte seine Familie nach Chur um, wo Alois während dreier Jahre die Katonsschule besuchte. Nach Abschluss einer Dekorationsmalerlehre übersiedelte er nach Zürich, entsagte seinem angestammten Beruf und bildete sich in einem Grafikeratelier weiter. 1927 gründete der begabte Grafiker ein eigenes Atelier und bereits erschienen seine ersten Plakate. Alois Carigiet schuf in der Folge verschiedene Bühnenbilder und entwarf Kostüme für das Cabaret «Cornichon», zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges löste er sein Atelier in Zürich auf und zog nach Platenga (Obersaxen), wo eine seiner bedeutendsten Schaffensperioden begann.
In seine Obersaxer Zeit fallen - nebst Heirat und Bau eines eigenen Hauses verschiedene Ausstellungen sowie die Illustrationen zu seinem weltberühmt gewordenen «Schellen-Ursli». Nach 1950 finden wir den Künstler wieder in Zürich und ab 1960 im einstigen Wohnhaus seiner Mutter, «Flutginas» in Trun. Für seine Kinderbücher wurde dem Künstler die Christian-Andersen-Medaille und der Jugendbuchpreis des Schweizerischen Lehrervereins verliehen. Durch ein früheres Leiden immer stärker gezeichnet, starb Alois Carigiet am 1. August 1985 in Trun, wo er auch begraben liegt.
Zahlreiche seiner bekannt gewordenen Bilder sind im COSA-Verlag als Art Prints, Granolithos in verschiedenen Grössen und in ausgezeichneter Qualität herausgegeben worden.
«Für das nackte Leben notwendig erachte ich die Kunst sicher nicht. Doch gelingt es mir auch nicht, eine Menschheit zu verstehen, die mit dem nackten Leben alleine zufrieden wäre.»
Dieses Zitat stammt von Alois Carigiet, dem zur Zeit wohl bekanntesten Maler aus der Surselva. Alois Carigiet hat sich seit jeher immer wieder gewissen Themenkreisen zugewandt: Menschen, Natur und Tierwelt. So kennt er beispielsweise das ruhende Haus kaum, so wenig wie er den Menschen alleine ohne die geringste Umgebung darzustellen gewillt ist. Eigentlich sucht er immer die Verbindung von all den genannten Dingen. Er bezeichnet seine meisten Arbeiten als "mehr oder weniger expressive Interpretation meiner Umwelt".
|